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Hanfanbau wird weiter ausgebaut

Im Vorjahr haben erste Landwirte in der Region mit dem Anbau von Hanf begonnen. Neben Öl sollen weitere Produkte aus der Nutzpflanze entwickelt werden.

Von Christoph Strouvelle

Kleinich-Fronhofen Jetzt im Spätsommer sind die Felder rund um das Hunsrückdorf Fronhofen weitgehend abgeerntet. Doch mittendrin liegt ein Acker, auf dem Hanfpflanzen wachsen. Daraus werden keine Drogen hergestellt, sondern es soll Öl gepresst werden, eines der begehrtesten Produkte der Genossenschaft Hanfkampagne. „Das 2018er Öl ist ausverkauft. Wir warten auf die neue Ernte“, sagt Jürgen Boos. Er verwaltet die Finanzen der Genossenschaft.

Die Idee, Hanf in der Region anzubauen, kam erstmals 2017 auf. 2018 haben vier Landwirte das seit Jahrtausenden als Nutzpflanze verwendete krautähnliche Gewächs nach mehreren Jahrzehnten erstmals wieder angebaut und auf rund acht Hektar ernten können. In diesem Jahr sind es sieben Landwirte in den zu Kleinich gehörenden Orten Fronhofen und Emmeroth, Altrich bei Wittlich, Stipshausen im Landkreis Birkenfeld, Lutzerath-Driesch in der Eifel und Kirchberg im Hunsrück, die auf etwa 38 Hektar Hanf anbauen. „Nächstes Jahr sollen es zehn werden“, sagt Boos.

„Die Bauern können mehr Geld durch
Hanfanbau verdienen als mit anderen
Pflanzen.“

Max Pestemer

Volkswirt für Marketing und Vertrieb in der Genossenschaft

Außer Hanföl erzeugen die Mitglieder der Genossenschaft Hanfsamen, der in der Spitzengastronomie als Basis für Sprossen verwendet wird und auch geröstet und als Snack gegessen werden kann, sagt Tanja Krzensk von der Hanfkampagne. Hinzu komme Hanf als Tierfutter und seit neuestem als Zutat für Proteingetränke. „Die ersten Testdosen sind seit drei Wochen auf dem Markt“, sagt Krzensk. Weitere Produkte sind in der Vorbereitung:  Hanfriegel, Hanfbier, Hanfseife und Hanftee. Ein Bäcker an der Mosel experimentiert derzeit mit Hanfmehl als Zutat für Hanfbrot. Die Vertriebskanäle für die Produkte sind sowohl kleine Geschäfte als auch Supermärkte.

Produkte der Hanfkampagne werden auch unter den Regionalmarken Ebbes von Hei! und SooNahe vertrieben. „Unser Ziel ist, alle Bestandteile der Pflanze zu verwerten und in den Vertrieb zu bringen“, sagt Boos. Die Nachfrage bei Landwirten sei groß. Jedoch müssten die Absatzwege Schritt halten. Denn viel Hanf anzubauen und dann einen Teil der Ernte wegwerfen müssen, weil es nicht vermarktet werden könne, sei kontraproduktiv. Deswegen wolle man den Hanfanbau in kleinen Stufen vorantreiben „Nachhaltigkeit ist wichtig“, sagt er.

Was steckt hinter der Idee, Hanf anzubauen? Im Vordergrund stehen die Landwirte, sagt Boos. „Die sollen davon leben können“, erklärt er. Das sei wichtig für deren Existenz. Den Landwirten bietet es eine Erweiterung der Fruchtfolge, wenn statt dem sonst üblichen Wechsel zwischen Weizen, Raps und Mais der Hanf hinzukomme, weiß Krzensk.

„Die Bauern können mehr Geld durch Hanfanbau verdienen als mit anderen Pflanzen“, sagt Max Pestemer, der als Volkswirt in der Genossenschaft für Marketing und Vertrieb zuständig ist. Damit dies so bleibt, haben sich die Landwirte in einer Genossenschaft zusammengeschlossen. „Die Einkäufer sind besser organisiert als die Landwirte, die auf dem Feld arbeiten müssen. Über die Form als Genossenschaft versuchen wir, diese Nachteile auszugleichen und bessere Preise zu erzielen“, sagt er.

Aktuell gehören der Genossenschaft 60 Mitglieder an. Wobei die Nachfrage groß ist, auch bei Unterstützern der neuen Idee. Gegen Ende des Jahres rechnet Boos mit 100 Mitgliedern. „Wir schaffen auch Arbeitsplätze, sagt Krzensk. „Für Leute, die wegen Kindern nur von neun bis zwölf Uhr arbeiten können, ist es schwierig, einen Job zu finden.“

24.08.2019 / Zeitung für Bernkastel-Wittlich / Seite 10 / Lokales